• Eigener Strom für zwanzig neue Wohnungen

Eigener Strom für zwanzig neue Wohnungen

27.06.2019 THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

Dank des Eigenverbrauchmodells der EKZ profitieren 20 Wohnungen von selbst erzeugtem Solarstrom ohne Aufpreis.

Im Ortsteil Binz am Rand der Gemeinde Maur sind im Sommer 2017 sieben neue Mehrfamilienhäuser im Minergie-ECO-Standard erstellt und bezogen worden. Die Gemeinde Maur ist eine der Bauherrschaften innerhalb des Baukonsortiums und vermietet 20 Wohnungen in drei der sieben Blöcke.

Diese drei Bauten wurden zusätzlich mit einer Photovoltaikanlage auf den Flachdächern versehen. Die nur wenig geneigten Module ragen nicht über den Dachrand hinaus und sind von der Strasse aus nicht zu sehen. Diese Auflage aus der Baubewilligung musste nach Absprache mit einem Nachbarn erfüllt werden.

Pro Haus wurden rund 100 m2 Photovoltaikmodule verlegt. Dies entspricht in etwa zwei Dritteln der Dachfläche. Die übrige Fläche wird durch Dachaufbauten bedeckt oder als Zugangswege für den Unterhalt ausgespart. Befestigt sind die Module auf einem Gestänge-System, das einfach auf das Flachdach gestellt werden kann und mit Kieskörben beschwert wird. Eine Befestigung, bei der die Dachhautdurchdringung entfällt.

Die Modulflächen sind nach Nordost und Südwest ausgerichtet und produzieren somit beinahe über den gesamten Tagesverlauf Strom. Dies ist daher spannend, als in den Randstunden Elektrizität produziert wird, die Mittagsspitze aber deutlich kleiner ausfällt. Die drei Anlagen, eine à 14,3 kW und zwei à je 17,6 kW Leistung produzieren über das ganze Jahr zusammen 49 500 kWh Strom. Dies entspricht in etwa dem Energiebedarf der drei Häuser für die Wärmepumpe und dem Haushaltstrom der 20 Wohneinheiten.

Eigenverbrauch und Einspeisung

Vom selbst produzierten Strom sollen ca. 40 Prozent direkt vor Ort verbraucht werden, die restlichen 60 Prozent werden ins öffentliche Netz eingespeist. Um den Eigenbedarf möglichst hoch halten zu können, wird der Photovoltaikstrom direkt an die Mieter weiterverkauft. Dies geschieht über das Praxismodell Verteilnetzbetreiber (VNB), in diesem Fall die EKZ. Diese führt auch alle Messungen und Abrechnungen durch.

Kosten der Anlage

Für die Installation einer 17,6 kWPhotovoltaikanlage investierte die Bauherrin insgesamt Fr. 29 700.–. «Dazu kommen nochmals Fr. 6000.– für die Projektierung und die Anpassungen auf der Wechselstromseite», erklärt Alex Brun der Suntainable AG, der als Projektleiter für die Photovoltaikanlage amtete. Mit gut Fr. 9000.– konnte rund ein Viertel der Investitionskosten über die Einmalvergütung gedeckt werden.

Für den jährlichen Unterhalt rechnet Brun mit Fr. 400.– sowie dem einmaligen Ersatz der Wechselrichter von Fr. 3000.– über die geplante Laufzeit von 25 Jahren. Diese Laufzeit entspricht der Leistungsgarantie seitens Solarmodulhersteller.

Einnahmen

Auf der Einnahmeseite stehen der Stromverkauf an die Mieter und die Netzeinspeisung. Gegenüber den Mietern wird ein ortsüblicher Preis im Hochtarif von 19 Rp. / kWh und im Niedertarif von 12 Rp. / kWh verrechnet. Seitens Elektrizitätswerk des Kantons Zürich werden für den eingespeisten Strom 6 Rp. / kWh vergütet. Dazu kommt die Finanzierung des ökologischen Mehrwertes, der an Energie Maur oder über die Solarstrombörse verkauft werden kann und rund 3 Rp. / kWh einbringen dürfte.

Geht die Rechnung so auf, kann die Gemeinde mit einer jährlichen Rendite von 3,36 Prozent rechnen, respektive dürfte die Anlage nach 17 Jahren Betrieb den Break-even erreicht haben. Über den gesamten Lebenszyklus fällt die Rendite dank des Modells VNB noch etwas höher aus.

Mit einem Anlagehorizont von über 20 Jahren entspricht die Installation einer Photovoltaikanlage nicht den Idealvorstellungen einer schnellen Gewinnmaximierung. Vielmehr zeichnet sich hier einmal mehr der lange Investitionszyklus von Immobilien ab. Insofern passt die Photovoltaikanlage sehr gut auf das Hausdach.

SONNENDACH + SOLARRECHNER

Eine erste und einfache Abschätzung, inwiefern sich das eigene Hausdach für die Stromerzeugung eignet, lässt sich unter www.sonnendach.ch vornehmen. Diese Plattform wird von den Bundesämtern für Energie, für Meteorologie und für Landestopografie angeboten und betrieben. Nach der Eingabe der eigenen Adresse wird auf einem Luftbild angezeigt, wie gut sich die einzelnen Dachflächen für die Solarnutzung eignen. Aufgrund einer ersten Einschätzung der möglichen Energieerzeugung wird der Nutzer direkt auf den Solarrechner von EnergieSchweiz weitergeleitet. Ergänzt mit den Angaben zum Dach und den Verbrauchern werden der mögliche Ertrag, die zu erwartenden Kosten und die Amortisationsdauer berechnet.


Modell VNB versus ZEV

Der Anteil des Eigenverbrauchs entscheidet, inwieweit eine Photovoltaikanlage rentabel betrieben werden kann. Entsprechend ist es für den Eigentümer einer solchen Anlage entscheidend, dass er einen Teil des erzeugten Stroms den Mietern weiterverkaufen kann.

Beim Modell VNB (Verteilnetzbetreiber) übernimmt das lokale Elektrizitätswerk die gesamte Weiterverrechnung der Stromkosten. Der Mieter unterhält wie bis anhin ein Vertragsverhältnis mit dem VNB und bezahlt diesen für den bezogenen Strom. Der VNB wiederum erstattet dem Eigentümer die Kosten für den durch die Mieter selbst genutzten Strom, abzüglich einer Verwaltungspauschale, zurück. Der ins Netz zurückgespeiste Strom wird zu einem deutlich tieferen Satz vergütet.

Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) bildet eine eigene Verbrauchergemeinschaft aus Eigentümer und Mietern. Gegenüber dem VNB gibt es nur noch einen Anschlusspunkt und einen Zähler. Die ganze restliche Verrechnung geschieht intern.

Aus Gründen des Mieterschutzes sind die Regelungen zur Festsetzung des internen Stromtarifes eng gefasst. Die eingesetzte Rendite darf im aktuellen Zinsumfeld zwei Prozent nicht übersteigen. Mit der Revision der Energieverordnung vom 1. April 2019 wird diese Praxis etwas gelockert und ermöglicht es, die Hälfte der Differenz zwischen extern bezogenem und eigenem Strom dem Mieter weiterzuverrechnen. Was bleibt, ist ein aufwendiges Nachweisverfahren.