• Etwas zum Festhalten

Etwas zum Festhalten

29.08.2019 THOMAS AMMANN dipl. Arch. FH Ressortleiter Energie- und Bautechnik, HEV Schweiz

Menschen werden immer älter, und das Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft steigt. Entsprechend verändern sich auch die Anforderungen an Absturzsicherungen und Handläufe. Was sie erfüllen müssen, regeln Normen und Richtlinien.

Wer aufgrund eines gebrochenen Beins an Krücken geht, ein schweres Paket die Treppe hochwuchten muss oder altersbedingt nicht mehr gut zu Fuss ist, ist dankbar um einen Handlauf entlang von Treppen und Rampen. Selbst bei kurzen Treppenläufen kann ein richtig angebrachter Handlauf helfen, Stolperunfälle und Stürze zu verhindern. Wo und wie Handläufe anzubringen sind, regeln verschiedene Normen und Richtlinien.

Normen

Für Geländer und Brüstungen ist die SIA-Norm 358 das massgebende Regelwerk. Für Bauten, die gemäss Gesetz behindertengerecht erstellt werden müssen, ist zudem die SIANorm 500 – «Hindernisfreie Bauten» beizuziehen. In dieser sind die detaillierten Ausführungen – zum Beispiel zur Ausgestaltung von Handläufen – beschrieben.

Normen sind erst dann verbindlich, wenn sie zwischen den Vertragsparteien vereinbart wurden oder wenn ein Gesetz die Einhaltung regelt. Für die SIA-Norm 358 ist dies in den meisten Gemeinden der Fall, und die Norm wird in der entsprechenden Bauordnung als verbindlich erklärt. Bei öffentlichen und halböffentlichen Bauten wird zudem die Berücksichtigung der SIA-Norm 500 vom Gesetzgeber verlangt.

Gleichzeitig werden die Normen als anerkannte Regeln der Baukunde angesehen. An ihnen hat man sich beim Bauen zu orientieren. Hat ein Gericht einen Schadenfall zu beurteilen, bezieht es sich ebenfalls auf die aktuell gültigen Normen. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn eine Bauordnung im Zuge von Sanierungsarbeiten die Anpassung von Absturzsicherungen an den aktuellen Stand der Technik vorsieht.

Während sich die SIA-Norm 358 primär auf die Absturzsicherung im und am Gebäude bezieht, sind die Anforderungen an Geländer bei Rampen, Treppen und Treppenwegen im Strassen- und Wegebau durch den Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) in der SN-Norm 640 568 festgelegt.

In dieser Wohnanlage in Zürich wurde die Treppe mit einem normgerechten Wandhandlauf nachgerüstet, damit sie auch von älteren Bewohnern gefahrenlos benutzt werden kann. (Bild 2) BILD FLEXO HANDLAUF GMBH

Richtlinien und Merkblätter

Basierend auf diesen Normen bestehen viele weitere Richtlinien und Merkblätter. Die Stadt Zürich beispielsweise hat die Richtlinie «Absturzsicherungen im Hochbau» herausgegeben. In dieser werden die Grundlagen aus der SIA-Norm konkretisiert und die Ausnahmen für bestehende Bauten geregelt. Dieses Papier ist für Bauten in der Stadt Zürich verbindlich – es sei denn, die Richtlinien zur Arbeitssicherheit oder die Auflagen der Feuerpolizei sagen etwas anderes.

Unterstützend wirken die Fachbroschüren «Geländer und Brüstungen» sowie «Treppen» der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Darin ist ein Grossteil der Norm 358 aufgeführt, inkl. erläuternder Skizzen. Zusätzlich werden dort, wo die Norm vage bleibt, Empfehlungen ausgesprochen. Verbindlich ist aber auch diese Empfehlung erst, wenn sie durch ein Gesetz vorgeschrieben wird.

Bei Treppen, die breiter als 1,5 m sind, müssen beidseitige Handläufe montiert werden. (Bild 3) BILD FLEXO HANDLAUF GMBH

Handläufe

Die SIA-Norm 358 schreibt vor, dass Treppen mit mehr als fünf Stufen in der Regel mit einem Handlauf zu versehen sind. Bei Dienstleistungsbauten, Heimen, Spitälern und Bauten für Kultur, für die das Gefährdungsbild 2 (Fehlverhalten von Behinderten und Gebrechlichen) zur Anwendung kommt, sind bereits ab mehr als zwei Stufen beidseitig Handläufe vorzusehen. Dasselbe gilt für Fluchtwege (vgl. Bild 2).

Bei Treppen, die breiter als 1,5 m sind, müssen auf jeden Fall beidseitige Handläufe montiert werden (vgl. Bild 3). Freitreppen mit mehr als fünf Metern Breite müssen zudem mit einem Zwischenhandlauf in der Treppenmitte versehen werden. Dieser sollte dann aber nicht als «Rutschbahn» benutzt werden können (vgl. Bild 1).

Handläufe sollten auf einer Höhe von 85 bis 90 cm ab Vorderkante Treppenstufe angebracht werden und den Treppenlauf an den Enden um mindestens 30 cm überragen. Das ist eine Massnahme, die aus sicherheitstechnischen Aspekten nachvollziehbar ist, optisch jedoch nicht zu überzeugen vermag. Besonders dann nicht, wenn die Handläufe auch noch nach unten oder seitlich gekrümmt sein müssen. Der Durchmesser des Handlaufes sollte zwischen 3,5 und 5 cm betragen.

Neben dem Handlauf haben auch das Trittverhältnis, die Anordnung von Podesten, der Bodenbelag oder die Sichtbarkeit von Kanten einen massgeblichen Einfluss auf die sichere Begehung einer Treppe. Grundsätzlich gilt: Je grösser der Publikumsverkehr, umso mehr Sicherheitsmerkmale sind zu beachten und umzusetzen.

Weitere Informationen

Aktuelle Normen und Richtlinien rund um Absturzsicherungen und Handläufe:

Norm SIA 358, Geländer und Brüstungen, SIA, Ausgabe 2010.

Dokumentation SIA D0158, Geländer und Brüstungen – Aspekte zur Anwendung der Norm SIA 358, Ausgabe 2001.

Norm SIA 500, Hindernisfreie Bauten, SIA, Ausgabe 2009.

Norm SN 640 568 Geländer, Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS), Ausgabe 2003.

Norm SN EN 13200-3, Zuschaueranlagen – Teil 3: Abschrankungen, SIA, Ausgabe 2005.

Fachbroschüre Geländer und Brüstungen, bfu, 2019.

Fachbroschüre Treppen, bfu, 2015.

Zusätzlich sind die Richtlinien und Baugesetze der Gemeinden zu beachten.

In dieser Wohnanlage in Zürich wurde die Treppe mit einem normgerechten Wandhandlauf nachgerüstet, damit sie auch von älteren Bewohnern gefahrenlos benutzt werden kann. (Bild 2) BILD FLEXO HANDLAUF GMBH

Richtlinien und Merkblätter

Basierend auf diesen Normen bestehen viele weitere Richtlinien und Merkblätter. Die Stadt Zürich beispielsweise hat die Richtlinie «Absturzsicherungen im Hochbau» herausgegeben. In dieser werden die Grundlagen aus der SIA-Norm konkretisiert und die Ausnahmen für bestehende Bauten geregelt. Dieses Papier ist für Bauten in der Stadt Zürich verbindlich – es sei denn, die Richtlinien zur Arbeitssicherheit oder die Auflagen der Feuerpolizei sagen etwas anderes.

Unterstützend wirken die Fachbroschüren «Geländer und Brüstungen» sowie «Treppen» der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Darin ist ein Grossteil der Norm 358 aufgeführt, inkl. erläuternder Skizzen. Zusätzlich werden dort, wo die Norm vage bleibt, Empfehlungen ausgesprochen. Verbindlich ist aber auch diese Empfehlung erst, wenn sie durch ein Gesetz vorgeschrieben wird.

Bei Treppen, die breiter als 1,5 m sind, müssen beidseitige Handläufe montiert werden. (Bild 3) BILD FLEXO HANDLAUF GMBH

Handläufe

Die SIA-Norm 358 schreibt vor, dass Treppen mit mehr als fünf Stufen in der Regel mit einem Handlauf zu versehen sind. Bei Dienstleistungsbauten, Heimen, Spitälern und Bauten für Kultur, für die das Gefährdungsbild 2 (Fehlverhalten von Behinderten und Gebrechlichen) zur Anwendung kommt, sind bereits ab mehr als zwei Stufen beidseitig Handläufe vorzusehen. Dasselbe gilt für Fluchtwege (vgl. Bild 2).

Bei Treppen, die breiter als 1,5 m sind, müssen auf jeden Fall beidseitige Handläufe montiert werden (vgl. Bild 3). Freitreppen mit mehr als fünf Metern Breite müssen zudem mit einem Zwischenhandlauf in der Treppenmitte versehen werden. Dieser sollte dann aber nicht als «Rutschbahn» benutzt werden können (vgl. Bild 1).

Handläufe sollten auf einer Höhe von 85 bis 90 cm ab Vorderkante Treppenstufe angebracht werden und den Treppenlauf an den Enden um mindestens 30 cm überragen. Das ist eine Massnahme, die aus sicherheitstechnischen Aspekten nachvollziehbar ist, optisch jedoch nicht zu überzeugen vermag. Besonders dann nicht, wenn die Handläufe auch noch nach unten oder seitlich gekrümmt sein müssen. Der Durchmesser des Handlaufes sollte zwischen 3,5 und 5 cm betragen.

Neben dem Handlauf haben auch das Trittverhältnis, die Anordnung von Podesten, der Bodenbelag oder die Sichtbarkeit von Kanten einen massgeblichen Einfluss auf die sichere Begehung einer Treppe. Grundsätzlich gilt: Je grösser der Publikumsverkehr, umso mehr Sicherheitsmerkmale sind zu beachten und umzusetzen.

Weitere Informationen

Aktuelle Normen und Richtlinien rund um Absturzsicherungen und Handläufe:

Norm SIA 358, Geländer und Brüstungen, SIA, Ausgabe 2010.

Dokumentation SIA D0158, Geländer und Brüstungen – Aspekte zur Anwendung der Norm SIA 358, Ausgabe 2001.

Norm SIA 500, Hindernisfreie Bauten, SIA, Ausgabe 2009.

Norm SN 640 568 Geländer, Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS), Ausgabe 2003.

Norm SN EN 13200-3, Zuschaueranlagen – Teil 3: Abschrankungen, SIA, Ausgabe 2005.

Fachbroschüre Geländer und Brüstungen, bfu, 2019.

Fachbroschüre Treppen, bfu, 2015.

Zusätzlich sind die Richtlinien und Baugesetze der Gemeinden zu beachten.