• Wenn der Altbau zum modernen Smart Home wird

Wenn der Altbau zum modernen Smart Home wird

03.03.2020 RUDOLF BOLLIGER, Faktor Journalisten

Vernetzung – Smart Home steht meist in Verbindung mit Neubauten oder aufwendiger Technik. Wer im Altbau auf moderne Systeme nicht verzichten mag, hat aber auch verschiedene Möglichkeiten.

Es gibt mittlerweile kaum noch ein Produkt der Gebäudetechnik, das nicht als smarte Lösung mit App oder anderen Vernetzungsmöglichkeiten angeboten wird. Es besteht jedoch ein grosser Unterschied zwischen einer kabellosen Automatisierung einzelner Haushaltsgeräte und der umfassenden Vernetzung komplexer Elektro-, Heiz- oder Beleuchtungssysteme. Im Altbau ist je nachdem mit Extrakosten wegen veralteter Elektroleitungen zu rechnen.

Aber gerade im Altbau lohnen sich gewisse Modernisierungen besonders. Eine zukunftsorientierte Heizungssteuerung kann zu merklich geringerem Energieverbrauch führen. Die Investition amortisiert sich gemäss Experten in der Regel bereits nach drei Jahren. Auch im Bereich Sicherheit schneiden Altbauten im Vergleich zu Neubauten generell schlechter ab. Wer umsichtig nachrüstet, macht aus dem Altbau ein sichereres Zuhause.

Voraussetzungen fürs Smart Home

Wer beabsichtigt, eine Funklösung einzusetzen, muss auf gewisse Rahmenbedingungen achten. Neben einer zuverlässigen Stromversorgung bildet eine hinreichend stabile Funkverbindung eine Grundvoraussetzung, um technische Komponenten effizient zu vernetzen. Die von Herstellern angegebenen Funkreichweiten beziehen sich in den meisten Fällen nur auf ideale Verbindungen ohne grosse Hindernisse. In alten Gebäuden ist dies mit oft dicken Wänden oder Trennwänden aus Gipsplatten nicht der Fall. Auch Stahlarmierungen oder Fussbodenheizungen können sich nachteilig auf die Funkreichweite auswirken. Sind mögliche Fehlerquellen gefunden, erweitern beispielsweise Repeater das WLAN-Netzwerk in der Wohnung.

Funkbetrieb oder drahtgebunden?

Wer nicht sicher ist, ob sein Heimnetzwerk die erforderliche Leistung erbringt, sollte sich vor einem Kauf besser an einen Experten wenden. Erste Anlaufstellen können Elektroinstallationsfirmen oder Elektroplaner aus der Region sein. Gegebenenfalls sollte man ein professionelles drahtgebundenes Bussystem wählen. Dieses ist zwar deutlich teurer und aufwendiger in der Installation, bietet aber sehr viele Vernetzungsmöglichkeiten. Zum Beispiel lassen sich so auch fest verbaute Jalousien, Unterputzschalter, komplexe Heiztechniksysteme oder ein elektrisches Garagentor bequem fernsteuern.

Anstehende grössere Renovationen sind bei Altbauten eine gute Gelegenheit, intelligente Gebäudetechnik nachzurüsten und fehlende Leitungen für die Steuerung der Geräte zu installieren. Werden beispielsweise Fenster erneuert, stellt sich die Frage, ob gleichzeitig eine Automation der Storen oder Rollläden vorgenommen werden soll. Aber auch ohne Renovation muss man nicht auf Smart-Home-Systeme verzichten: Powerline- und Funklösungen lassen sich meistens nachrüsten.

Ziele definieren

Wer Smart-Home-Funktionalitäten in sein Haus holen möchte, sollte vorab seine Ziele definieren. Es ist entscheidend, ob Komfort, Sicherheit, Energieeinsparung oder altersgerechtes Wohnen an oberster Stelle steht. Je nach gesetztem Schwerpunkt existieren vielzählige Möglichkeiten. Mehr Komfort entsteht beispielsweise dadurch, dass Lampen via Smartphone gesteuert werden, mehr Sicherheit ergibt sich durch den Einbau einer vernetzten Videotürklingel. Die Energieeffizi enz lässt sich durch selbstregulierende WLAN-Thermostate steigern.

Für ein altersgerechtes Wohnen kann das automatische Ausschalten von Geräten, beispielsweise ein Herd mit Abschaltsystem, von Interesse sein. Sensoren für Rauch, Feuer, Wasser sowie Schliesssensoren an Fenstern sorgen für mehr Sicherheit. Eine automatische Lichtsteuerung bei Nacht hilft, dass man sich besser orientieren kann.

Den Alltag erleichtern

Geräte und Objekte des Smart Home sollen den Alltag erleichtern und bedeuten nicht, dass jemand permanent über sein Smartphone mit seinem Zuhause kommunizieren muss. Folgende Beispiele zeigen, mit welchen einfachen Massnahmen sich bereits erste Schritte hin zum smarteren Wohnen realisieren lassen:

  • Fortschrittliche Lichtsteuerungen für den Innen- und Aussenbereich passen sich dem Tagesablauf automatisch an. Anhand von Diagrammen lassen sich die Betriebsdauern und Verläufe einsehen.
  • WLAN-Heizthermostate und -ventile sind per App programmierund einstellbar. Auch die Fernsteuerung von ausserhalb ist möglich. Auswertungen geben Auskunft über den Temperaturverlauf.
  • Intelligente Luftfeuchtemelder geben Bescheid, wenn beispielsweise der Keller zu feucht ist. Eine App zur Klimaüberwachung informiert, wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist und wie sie sich verändert.
  • Elektrogeräte sind über WLAN-Steckdosen steuerbar, und der Stromverbrauch lässt sich einsehen.
  • Bewegungssensoren aktivieren die Hausbeleuchtung, oder Gefahrenmelder benachrichtigen respektive alarmieren per SMS.
  • Intelligente Tür- und Fenstersensoren kommunizieren mit der Heizung und veranlassen, dass diese ihre Leistung drosselt, wenn Fenster oder Türen geöffnet sind.
  • Steigen die Aussentemperaturen bei Sonnenschein beispielsweise über 25 Grad, werden die Storen auf der Südseite heruntergefahren.
  • Auch die Sprachsteuerung für Licht, Heizung oder Musik gehört heute zum Repertoire des Smart Home.
  • Saugroboter reinigen Böden, wenn die Bewohner das Haus verlassen. Anhand einer App lässt sich kontrollieren, welche Bereiche bereits fertig und welche noch zu reinigen sind.

Bei all diesen Geräten können Bedingungen und Abläufe festgelegt werden, die individuell zu den Anforderungen der Hausbewohner passen. 

Einheitliche Regelstrategie anstreben

Das intelligente Haus der Zukunft sollte idealerweise eine einheitliche Regelstrategie für unterschiedliche vernetzte Geräte ermöglichen. Gesteuert über Schalter, moderne Touchscreens oder per App lassen sich so mehrere Geräte mit einem Knopfdruck überprüfen und bedienen sowie Kennwerte und Verläufe verfolgen. Dies im Unterschied zu einer Ansammlung teils automatisierter Einzellösungen. Zu den häufig eingesetzten Systemen im Profibereich zählen heute Systeme wie Synco Living von Siemens sowie Lösungen von Feller, Theben, Eaton oder Digitalstrom. Beliebte Systeme, die der Elektro- und Elektronikhandel anbietet, sind Devolo, Danfoss Link oder Bosch Smart Home. Daneben existieren diverse Produkte für den Do-it-yourself-Bereich. 

Smartphones und Tablets bieten heute komplett neue Möglichkeiten zur Steuerung der Haustechnik. 

Schnelle und einfache Einstellmöglichkeiten und die Verknüpfung von Geräten sowie der Fernzugriff sind Beispiele für die erweiterten Funktionalitäten. Ob man sich für ein verdrahtetes oder ein Funksystem entscheidet, hängt von den individuellen Bedürfnissen und dem verfügbaren Budget ab.